221online’s Blog

Der Journalistenblog der Studierenden der FHM-Außenstelle Köln

Aus dem Leben einer Hure

Aus dem Alltag einer Transsexuellen

Es ist 17.00 Uhr, in genau einer Stunde eröffnet das Freudenhaus.
Wieder im Pascha angekommen, herrscht leichte Hektik. Der rosafarbene Flur wird zum Laufsteg vieler nackter Mädchen. Alle huschen sie über den Gang, besorgen sich den besonderen Lipgloss bei der einen Kollegen, den speziellen Lidschatten bei der Anderen und das Theater-Make-up bei der Nächsten. Es vergeht eine dreiviertel Stunde, bis Natalie ihr knalliges Outfit durch ein maßgeschneidertes Korsett ersetzt hat.

Die letzten Handgriffe vor Schichtbeginn

Die letzten Handgriffe vor Schichtbeginn

Dann ist es soweit. 18.00 Uhr, Arbeitsstart, Showbeginn. Natalie wird hibbelig, rutscht auf dem Bett immer wieder hin und her, bis sie sich endlich dazu auffordert in „Position“ zu gehen.
„Diesen Moment hasse ich, ich hasse ihn“, grummelt sie vor sich hin und macht ihr Bett. Behutsam, ordentlich, fast akkurat richtet sie ihre „Lustecke“.
Von 18.00 Uhr abends bis  8 Uhr morgens geht die Schicht. In dieser Zeit wird Geld verdient.
Tag für Tag die gleiche Prozedur.
Natalie nimmt ihren Hocker und stellt ihn vor die Tür. Sie bringt ihren Körper in Stellung, damit ihn die Männer anziehend finden.
Natalie hat sich positioniert. Nicht nur sie. Wie eine Galerie sitzen die Mädchen auf ihren Hockern und warten auf Kundschaft.
Da sitzt sie nun. Auf einmal ist Natalie nicht mehr das Mädchen mit der heißen Schokolade, oder die Kleine ohne Familie. Jetzt und hier ist sie eine Hure.

Nach und nach füllt sich der Flur. Männer streifen umher. Begutachten die Mädchen wie Vieh. Natalie muss nicht lange warten, es ist schnell einer da. Er mustert sie und sie lächelt. Aber es ist nicht ihr echtes, natürliches Lächeln. Dem dicken Mann scheint es trotzdem zu gefallen. Er schaut sie auffordernd an, bis sie aufsteht und ihr Zimmer betritt. Er folgt ihr.

Natalies Arbeitsplatz. Hier verbringt sie Schicht für Schicht.

Natalies Arbeitsplatz. Hier verbringt sie Schicht für Schicht.

 

Eine viertel Stunde vergeht, bis sie zurückkommt. Rückt ihren Hocker zurecht und lächelt wieder.
„Ich möchte die Zeit vorspulen, am liebsten zwei, drei Jahre. Dann habe ich eine Familie, neue Brüste und dieses lästige männliche Geschlechtsteil zwischen meinen Beinen ist dann auch endlich  verschwunden.
Natalies Augen schweifen hoffnungsvoll in die Ferne. Hoffen, flehen und wünschen.

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Geschrieben von emfischer

Juli 31, 2009 um 2:09 pm

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