221online’s Blog

Der Journalistenblog der Studierenden der FHM-Außenstelle Köln

Aus dem Leben einer Hure

Schwüle Hitze. Gewitter Luft. Das kleine Fenster in Zimmer 704 ist weit geöffnet. Warmer, heftiger Regen zwingt die Gardinen zum Tanz. Mal schnell, mal langsam. Sie streifen das rote, runde Bett und beruhigen sich wieder. Stickig schwüle Luft.
Mitten drin sitzt die Russin Natalie. Ihr flacher Busen, die markanten Gesichtszüge und die leicht eckigen Kurven verraten sie. Verraten ihre ursprüngliche Identität. Ihr  Leben als Junge. Ihr Leben als Mädchen in dem Körper eines Jungen. Ihr Leben, dass sie auf die Transsexuellen-Etage eines Kölner Bordellhauses verschlagen hat.

Zimmer 704 des Kölner Bordellhauses

Zimmer 704 des Kölner Bordellhauses


„Ich wusste schon immer, dass ich ein Mädchen bin.“, schmunzelt sie verlegen und gibt Benni einen Kuss. Benni, ihrem Welpen. Ihrem kleinen Begleiter, ihrer großen Stütze.
Natalie ist groß. Sie hat schwarze, lange Haare und ein trauriges Gesicht. Ein Gesicht, das ihre gerade mal einundzwanzig Jahre nicht widerspiegelt. Der Blick wirkt müde, die Lider sind schlaff, das Lächeln fällt schwer. Seit zwei Jahren schluckt Natalie Hormone. Hormone, die aus ihrem maskulinen Körper einen weiblichen entstehen lassen sollen. Hormone, die ihre Kurven zarter, ihre Brüste größer und ihre Stimmer höher werden lassen. „Sie stoppen meinen Bartwuchs.“
Für diese Hormone tut sie alles, opfert sich Tag für Tag auf dem Schlachtfeld der Prostitution. Überlässt ihren gehassten Körper anderen, den Kunden.
„Es ist nicht schön was ich mache, aber es muss sein, es ist einfacher so.“ Die Stimme wird dunkel, ihr beinahe perfektes Deutsch wird brüchig und Natalie unruhig. Die langen, buntlackierten Fingernägel fahren über die Lippen, streicheln sie kurz und wandern zurück zu Benni. Sie legt ihren Kopf in den Nacken, gekonnt, erotisch, weiblich.
„Wollen wir einen Kaffee trinken gehen? Dann kann ich dir alles in Ruhe erzählen“. Während sie fragt, packt sie ihre Sachen. Eine große, lilafarbene Tasche, ein Lipgloss, ihr dickes Portemonnaie und eine Sonnenbrille. Ihre Bewegungen sind betont weich, vorsichtig und überlegt. Immer wieder schmunzelt sie, überspielt ihr Sorgen, ihre Ängste und Gefühle. Sie legt Benni an die Leine und verriegelt den Eingang.

"Manchmal ist es hier wirklich wie bei Sex and the City"

"Manchmal ist es hier wirklich wie bei Sex and the City"


 
Auf dem langen, rosafarbenen Flur in Richtung Ausgang klopft sie an einige Türen und verabschiedet sich von ihren Mädchen, ihren Freundinnen und ihren Leidensgenossinnen. Sie klopft, tritt ein und kichert ein leises Aufwidersehen. „Manchmal ist es hier wirklich wie bei „Sex and the City“, im wahrsten Sinne des Wortes“, belächelt sie die Situation und setzt ihren filigranen Körper in Bewegung. Wie eine Lady koordiniert sie fast meisterhaft ihr 20 Zentimeter hohes Schuhwerk. Tick-tack, tick-tack, tick-tack klackert es durch den ganz in tiefrosa gehaltenen Flur.
 
 
 
 
 
Natalie kleidet sich modisch, eher nach dem Motto  „mehr ist mehr – als weniger ist mehr“.  „Ich liebe Mode. Ich liebe, liebe, liebe sie. Ich könnte jeden Tag einkaufen gehen und mir die neuesten und abgefahrensten Fummel kaufen“, sagt sie einwenig übermütig und wirkt wie ein kleines Mädchen auf der Suche nach weiblichem Verständnis. Mehr…

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Geschrieben von emfischer

Juli 31, 2009 um 2:09 pm

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